Ausbildung zur
geprüften Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung
in Werkstätten für behinderte Menschen (gFAB) –
Sonderpädagogische Zusatzausbildung (SPZ)
für Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen in der WfbM


Behinderung im Jahr 2022 ist in vielen Fällen nicht mehr zu vergleichen mit Behinderung im Jahr 1990. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Beschäftigten mit „seelischer Behinde-rung“ der Anzahl der Beschäftigten mit „geistiger Behinderung“ immer mehr angenähert. An die Stelle eines Organschadens oder einer chronischen psychischen Erkrankung sind Persönlich-keitsstörungen bzw. Verhaltensstörungen getreten. Für die betreuenden Fachkräfte (Gruppenlei-ter) sind die Anforderungen deshalb vielfältiger geworden. Diese Entwicklung macht es notwen-dig, die sonderpädagogische Zusatzausbildung innerhalb einer Werkstatt anzupassen.

Trotz aller Schwierigkeiten hat die Integration von Menschen mit Behinderungen in unserer Ge-sellschaft wesentliche Fortschritte gemacht, so dass wir heute vom „Merkmal Behinderung” und nicht mehr von der Behinderung als „Defekt” sprechen können. In diesem Prozess spielte und spielt die WfbM eine führende Rolle. Heute kann man mit Recht sagen: „Werkstatt ist Inklusi-on“. Der/Die GruppenleiterIn ist zur „Führungskraft” der behinderten Mitarbeiter geworden, ähnlich wie der „Meister“ in einem Produktionsbetrieb. Das bedeutet, er/sie braucht persönliche Führungsqualitäten und dementsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten.
Der/Die GruppenleiterIn hat für die Organisation WfbM zentrale Bedeutung: Er muss den Dop-pelauftrag der WfbM – 1. die Herstellung marktfähiger Waren und Dienstleistungen sowie 2. die individuelle persönliche Betreuung, Förderung und Integration des behinderten Menschen in den Produktionsprozess – verantwortlich umsetzen. Damit geht seine/ihre Aufgabe weit über die Aufgaben eines Meisters in der Produktion hinaus. Es ist das generelle Ziel der FAB-Ausbildung, GruppenleiterInnen für diese Aufgabe zu qualifizieren.

Die Arbeit mit psychisch gestörten oder verhaltensgestörten Menschen verlangt vom Gruppenlei-ter über die beschriebenen Qualifikationsziele hinaus spezielle Kenntnisse und Verhaltenswei-sen, die man normalerweise im Alltagsleben nicht erwerben kann. Auch die in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen erworbenen Fertigkeiten reichen nicht aus. Arbeiten mit diesen Menschen muss man – ähnlich wie ein Handwerk – gründlich mit Theorie und Praxis erlernen.
Dazu benötigen die Gruppenleiter Techniken, mit denen sie die komplizierte Persönlichkeits-struktur der behinderten Mitarbeiter verstehen und dieses Verständnis in der Gestaltung des Ar-beitsplatzes bzw. der Arbeitssituation umsetzen kann. Dasselbe gilt auch für geistig behinderte Menschen mit Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
Der Erwerb dieser Techniken kann nicht allein in den Seminaren einer Weiterbildung geschehen. Die dazu notwendige Erfahrung kann man nur in der praktischen Arbeit sammeln. Deshalb ist die Einbeziehung der persönlichen Arbeitserfahrungen zentraler Bestandteil der Ausbildung. Die Ausbildung ist so gestaltet, dass sie die praktische Betreuungsarbeit der Gruppenleite-rInnen kontinuierlich begleitet. Etwa die Hälfte der Ausbildung ist für die Darstellung und Be-sprechung der laufenden Arbeit reserviert. Von den TeilnehmerInnen wird erwartet, dass sie Informationen über ihre behinderten Mitarbeiter dokumentieren und mitbringen. Es werden För-der- und Betreuungsziele für alle von den TeilnehmerInnen betreuten Beschäftigten diskutiert und Maßnahmen zu deren Erreichung entwickelt. Besonderen Wert legen wir auf das pädagogische Training der Gruppenleiter. Sie erlernen, die Betreuung langfristig zu organisieren und sich dabei auf die Anforderungen unter-schiedlichster Persönlichkeiten und Behinderungen einzustellen.

Als Referenten kommen nur erfahrene „Fortbildungsprofis“ zum Einsatz, die in Fragen des theo-retischen Hintergrundes ebenso qualifiziert sind wie in der praktischen Umsetzung.

Organisation der FAB-Ausbildung

Die gesamte Ausbildung geht über einen Zeitraum von 3 Jahren. Sie beinhaltet 840 Stunden. Der Unterricht erfolgt in 24 2-tägigen Seminaren (8 pro Jahr). Damit wollen wir gewährleisten, dass der/die GruppenleiterIn nicht zu lange an ihrem Arbeitsplatz fehlt. 12 Seminare vermitteln Theo-rie, die weiteren 12 Seminare sind Praxis- bzw. Fallseminare.
Die Terminpläne für die Seminare geben den einzelnen Teilnehmern die Möglichkeit, die eigene Terminplanung flexibel zu gestalten, da die einzelnen Seminarthemen mehrmals im Jahr stattfinden.

Prüfung und Zeugnis/Zertifikat gFAB

Die Prüfung richtet sich nach der „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungs-abschluss „Geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung“ (Arbeits- und Berufsförde-rungsfortbildungsprüfungsverordnung – GFABPrV) von 2019.
Als Prüfungsleistungen wird eine schriftliche praxisbezogene Falldokumentation erstellt und eine mündliche Prüfung abgelegt. Diese besteht aus einer Präsentation der Falldokumentation und einem anschließenden Fachgespräch vor der Prüfungskommission.
Weiterhin wird eine vierstündige Abschlussklausur geschrieben.
Nach bestandener Prüfung erhält der/die TeilnehmerIn das Zertifikat mit dem Zeugnis „Geprüf-te Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung“.

Prüfung SPZ
In einigen Bundesländern ist die staatliche gFAB-Prüfung nicht erforderlich. Für Teilnehme-rInnen aus diesen Ländern bieten wir eine vereinfachte institutsinterne Prüfung an.

Das Curriculum für die Ausbildung kann bei uns angefordert oder im Internet unter www.institut-johnson.de abgerufen werden.

Die Kursgebühren betragen 6.360.- € pro Person (ohne Unterkunft und Verpflegung und zuzüg-lich der Prüfungsgebühren). Die Gebühren werden in 6 halbjährlichen Raten berechnet. Bei mehr als 2 Teilnehmern aus einer Werkstatt gewähren wir einen Rabatt von 5% pro Person.

Tagungsort

Die Veranstaltungen finden in der Regel im Tagungszentrum des AWO Bildungszentrums in Netphen bei Siegen (NRW) statt. Teilnehmer können bei Bedarf im dortigen Inklusionshotel Unterkunft und Verpflegung erhalten. Der Preis für die Übernachtung im EZ mit Frühstück be-trägt 79.- €.

Zu einer eventuellen Entscheidungsfindung kann das Einführungsseminar auch einzeln be-sucht werden. Die Seminargebühren betragen in diesem Fall 270.- € (ohne Unterkunft und Verpflegung).

Anmeldung

Die Anmeldung kann per Email oder Post erfolgen. Auf Anfrage senden wir einen Vertragsentwurf zu.

gFAB-Ausbildung als hausinterne Veranstaltung


Wir können die oben beschriebene Weiterbildung auch hausintern in Ihrer Einrichtung durch-führen. Es können daran bis zu 16 Personen teilnehmen. Es werden auf diese Weise nicht nur Kosten eingespart, sondern es kann auch die Einführung neuer Konzepte (z.B. „Junge Wilde“) begleitet werden. Bei Bedarf werden die Termine können so gestaltet, dass der Werkstattbetrieb möglichst wenig belastet wird. Wenn Sie Interesse haben, erstellen wir gerne ein Angebot.

Weitere Informationen zur 3-jährigen Weiterbildung:
Geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in Werkstätten für behinderte Menschen (gem. § 9 der Werkstättenverordnung)

Referent: Helmut Johnson, Diplom-Psychologe
Termin: 26.-27.01.2023, 1. Tag 10 – 17 Uhr / 2. Tag 9 – 16 Uhr
Kosten: 270€

Weitere Seminare finden Sie in unserem Seminarkalender.