Systemisch-pädagogische Diagnostik von Entwicklungs-
und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen


Diagnostik in der Jugendhilfe muss in erster Linie Grundlagen für die Einleitung geeigneter Betreuungs- und Erziehungsmaßnahmen liefern. In der Praxis der letzten Jahre wurde zu diesem Zweck immer häufiger die Psychiatrie eingeschaltet. Allerdings hat sich gezeigt, dass die medizinischen Diagnosen – z.B. mit den häufig auftretenden Begriffen wie „Borderline“ oder „ADS“ – wenig geeignet sind, um darauf einen Erziehungsprozess aufzubauen. Im Gegenteil – sie werden von der Pädagogik eher dazu genutzt, sich für inkompetent zu erklären und der Medizin die Verantwortung zu übergeben, die sich dieses Problems mit der Verschreibung von Psychopharmaka entledigt. Als Systematik für den Erziehungsalltag kann man dann aus der Diagnose lediglich den Zeitpunkt und die Dosierung der Medikamentenvergabe nutzen.

Wir stellen dem in unserem Seminar das Modell einer pädagogischen Diagnostik entgegen,
die entwicklungspsychologisch begründet ist und die sich an einem systemischen Modell der
Persönlichkeitsentwicklung orientiert.

In dem Seminar werden die folgenden Fragen und Themen behandelt:

• Was braucht ein Kind für eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung?
• Welche Störungen entstehen in welchem Alter?
• Wie kann man Sozialisationsschäden von Organschäden unterscheiden?
• Welche Rückschlüsse kann man aus einzelnen Auffälligkeiten (Symptomen) auf den Entwicklungsstand der Persönlichkeit ziehen?
• Systematik von Bindungs- und Ambivalenzstörungen
• Systematik von Identitätsstörungen
• Welche Störungen sind wie kompensierbar und wo sind die Grenzen?
• Zusammenhang zwischen Störungen bei den Eltern und beim Kind – welche Störungen sind im Familienkontext zu behandeln und welche nicht?
• Vermittlung der Diagnose an das Jugendamt, die Eltern, das Kind, die Helfer
• Systemische Diagnose – systemische Hilfeplanung

Das Seminar wendet sich an erfahrene MitarbeiterInnen aus Jugenmtern, Beratungsstellen und Einrichtungen der Jugendhilfe. Es ist erwünscht, dass Beispiele aus der eigenen Praxis eingebracht werden.