Betreutes Wohnen für junge Menschen
mit sozial-emotionalem Handicap („Junge Wilde“)


Sie halten sich selbst für „erwachsen“, haben aber einen emotionalen Entwicklungsstand von Kindern. In ihrer Selbstwahrnehmung sind sie keinesfalls „behindert“ – im Gegenteil, wenn man sie fragt, brauchen sie keine Hilfe, sie verdienen mehr Geld als sie haben, sie können alle ihre Angelegenheiten selbst regeln. Allerdings – die Realität sieht anders aus: Geld verdienen funktioniert nicht oder nur unzureichend, sie haben keine Tagesstruktur, Beziehungen zu anderen Personen sind instabil. Entgegen ihrem demonstrierten Habitus sind sie eher ängstlich, unsicher und abweisend. Sie neigen zu Aggressionen oder zum Rückzug aus der Gruppe.

Viele Versuche, diesen Menschen mit sozial-emotionalem Handicap Selbstständigkeit anzutrainieren sind gescheitert, das gilt ebenso für Maßnahmen der beruflichen Bildung als auch für Maßnahmen zum selbstständigen Wohnen. Selbstständigkeit ist bei dieser Personengruppe nicht einfach antrainierbar. Traditionelle Konzepte betreuten Wohnens haben sich bei der Personengruppe der „Jungen Wilden“ als wenig erfolgreich erwiesen; die darin enthaltenen Anforderungen und Vorgehensweisen führten immer wieder zu verstärkten Auffälligkeiten und Abbrüchen. Betreute und Betreuer zeigen sich überfordert. Um in der Betreuung erfolgreich zu sein, brauchen wir neue Herangehensweisen und neue Konzepte.

In unserer Fortbildung vermitteln wir Grundlagen und „Handwerkszeug“ für eine erfolgreiche Wohnbetreuung dieser immer größer werdenden Personengruppe. Dabei stützen wir uns auf Erfahrungen, die wir und von uns beratene Einrichtungen in über 10 Jahren Arbeit mit dieser Klientel sammeln konnten.

Die Themen sind u.a.

  • Wie entsteht das sozial-emotionale Handicap?
  • Einschätzung der Möglichkeiten und der Grenzen in der persönlichen Entwicklung
  • Welche Rolle spielt die Betreuungsperson?
  • Emotionaler Entwicklungsstand (emotionales Entwicklungsalter) und Beziehungsentwicklung
  • Grundstruktur (Konzeption) des betreuten Wohnens
  • Sichere Tagesstruktur
  • Anforderungen an die Betreuungspersonen
  • Die Rolle des Teams für den Betreuer – Planung, Reflexion, Transparenz
  • Qualifizierung der Kostenträger

Das Seminar ist praxisorientiert. Es wendet sich an BetreuerInnen ebenso wie an Personen, die für die Konzipierung einer Einrichtung verantwortlich sind.

Referent: Gunnar Johnson, Soziologe M.A. und Systemischer Berater
Termin: 19.-20.04.2023, 1. Tag 10 – 17 Uhr / 2. Tag 9 – 16 Uhr
Kosten: 270€