Damit „Trauma“ nicht zur Identität wird –
Systemische Arbeit in Betreuung und Beratung


In der pädagogischen Praxis – in Jugendhilfe und Eingliederungshilfe – taucht in den letzten Jahren der Begriff „Trauma“ immer häufiger als Benennung der Ursache für Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung der Klienten auf. Häufig beginnt die Darstellung des Lebenslaufs mit der Beschreibung des Traumas (meist geht es dabei um die Themen Sexualität und/oder Gewalt) – eine Erkundung der Persönlichkeitsentwicklung unabhängig von der Traumatisierung findet nicht statt.

Besonders gravierend stellt sich dieses Vorgehen dar, wenn die Traumatisierung im familiären Kontext stattgefunden hat – Familienmitglieder (insbesondere Eltern) werden auf ihr „Fehlverhalten“ reduziert und dauerhaft verurteilt. In vielen dieser Fälle stellt man dann (wenig überraschend) fest, dass es in den Vorgenerationen auch schon Traumatisierungen gab. Was ist dann die Lösung? Man gibt Empfehlungen im Umgang mit den Folgen des Traumas – z.B. im Beziehungsverhalten gegenüber den Familienmitgliedern – und lässt damit das Trauma als zentrales Identitätsmerkmal stehen.

Unser systemisch-ressourcenorientierter Ansatz hat zum Ziel, die Bedeutung des Traumas als identifizierendes Persönlichkeitsmerkmal zu relativieren: jede Person ist einzigartig und hat spezifische unverwechselbare Merkmale. In Bezug auf die Identitätsentwicklung sind in unserer Kultur die leiblichen Eltern nicht austauschbar! Wird daher Vater oder Mutter (oder auch andere Mitglieder der Familie) ausschließlich negativ beschrieben, macht man diese Beschreibung zum wesentlichen Identitätsmerkmal der nachfolgenden Generation. Deshalb ist die bewusste Erkundung und Beschreibung werthaltiger Merkmale der Ursprungsfamilie zentraler Faktor für die Entwicklung des Selbstbewusstseins und damit der Relativierung negativer Erlebnisse.
In unserem Seminar werden wir zunächst diese Vorgehensweise theoretisch darstellen und dann die Umsetzung an Praxisbeispielen erläutern.

Es ist erwünscht, dass die TeilnehmerInnen Beispiele aus ihrem Arbeitsbereich einbringen.

Verfügbare Termine

03.–04.12.2026
Referent:in Helmut Johnson
Uhrzeiten 1. Tag: 10:00–17:00 Uhr
2. Tag: 09:00–16:00 Uhr
Kosten 290,00 €
Tagungsort Hilchenbach
Verfügbar

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