Praxis der Bindungsentwicklung bei bindungsgestörten
Kindern und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe


Bindungsstörungen sind die Folge einer emotionalen und meist auch physischen Unterversorgung des Kindes in den ersten Lebensjahren. Wie die Hirnforschung inzwischen nachgewiesen hat, beinhalten sie oft nicht reparable Defizite in der Gehirnentwicklung. Diese äußern sich u.a. in unangepasstem Sozialverhalten, eingeschränkter Empathie und aggressivem Verhalten mit fehlender Stressregulation. Versuche, diese Defizite durch Training oder Verstärkerpläne auszugleichen oder Einsicht für das Verhalten herzustellen, scheitern in der Regel. Emotionalität und Rationalität sind so weit voneinander abgekoppelt, dass ein gesprächsbzw. vernunftorientiertes Vorgehen misslingt.

In der Praxis der Jugendhilfe hat sich herausgestellt, dass positive Entwicklungen nur auf der Basis einer stabilen Bindung an eine erwachsene Bezugsperson erreicht werden können. Eine solche Bindung entsteht ausschließlich über vorsprachliche und rationale Kommunikationzwischen Bezugsperson und Kind. In unserer Fortbildung werden wir nach einer kurzen Darstellung der neurophysiologischen Grundlagen praktisch darstellen, mit welchen Vorgehensweisen die Bezugsperson eine Bindung zu dem Kind herstellt und stabil aufrecht erhält. Wir werden weiterhin vermitteln, wie das Mitarbeiterteam in den Bindungsprozess einbezogen werden kann und wie man die langfristige Betreuungs und Entwicklungsplanung ausrichtet.

Die folgenden Themenbereiche werden dabei u.a. angesprochen:

Die Auswirkung der Bindungsperson auf das Stresssystem
Bindungsaufbau durch Körperkontakt was, wann, wie, wo?

Die Bindungsperson als „Leitplanke“ warum Grenzen wichtig sind!

Die Bedeutung von Ritualen und Strukturen

Folgen der Bindung an eine Bezugsperson im Gehirn

Relevanz der „Kontaktkontinuität“ zur Bindungsperson und Teamarbeit

Wieviel Verselbstständigung oder Selbstbestimmung ist möglich?

Abbrüche eingrenzen durch geplante und gezielte Elternarbeit

Das Seminar ist praxisorientiert. Es ist erwünscht, dass die TeilnehmerInnen Informationen über die von ihnen betreuten Kinder oder Jugendlichen mitbringen.