Selbstbestimmung ist „Selbstbestimmung“
in jedem Fall das adäquate Betreuungsziel?


In den gegenwärtigen – oft ideologisch geprägten – pädagogischen Maßnahmerichtlinien spielt der Begriff „Selbstbestimmung“ eine herausragende Rolle. Das gilt insbesondere auch für die Zielsetzungen bei der Betreuung von Menschen mit Behinderungen. Häufig werden „Inklusion“ und „Selbstbestimmung“ in einen direkten Zusammenhang gesetzt. Kaum jemand beschäftigt sich dabei mit der Frage: Was ist eigentlich dieses „Selbst“ und wie entwickelt es sich mit der Persönlichkeit? Man geht einfach davon aus, dass es irgendwie existiert und dass es sich schon entwickeln wird, wenn man nur die passenden äußeren Bedingungen zur Verfügung stellt. Die Praxis in Jugendhilfe und Eingliederungshilfe (und auch z.B. in der Drogenhilfe) zeigt allerdings in relativ vielen Fällen nur begrenzte Fortschritte. In unserem Seminar werden wir zeigen, wie in der Entwicklung der Persönlichkeit das „Selbst“ – und damit die Möglichkeit ein „selbstbestimmtes“ Leben zu führen – entsteht. Wir werden weiterhin darstellen, wie man die Entwicklung unterstützen kann, aber auch wo die Grenzen der Entwicklung liegen.

Wir werden u.a. die folgenden Themen behandeln:

  • Wie entwickelt sich Persönlichkeit (Versorgungsbeziehung und Identifikationsbeziehung)?
  • Wie entwickeln sich Emotionalität und Vernunft (neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung)?
  • Die Folgen einer Unterversorgung in den ersten Lebensjahren – die Verselbstständigung des Streßsystems
  • Wenn sich Emotionalität und Rationalität voneinander abgekoppelt entwickeln
  • „Unterentwickeltes Selbst“ – Überforderung
  • Wie der „Zwang zur Selbstbestimmung“ bei unterentwickeltem Selbst auf direktem Weg in die Psychiatrie oder ins Gefängnis führt
  • Einschätzung (Diagnose) des Entwicklungsstandes der Person
  • Die „persönlichen 100%“ , die Persönlichen Möglichkeiten – die „relative Selbstbestimmung“ als Ziel
  • Bindung und Kontaktkontinuität als Lösung und dauerhafte Maßnahme

Das Seminar wendet sich an alle Berufsgruppen, die im Rahmen der Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Beratung oder Betreuung von Suchtkranken arbeiten. Es ist erwünscht, dass die TeilnehmerInnen, Material und Informationen zu Fällen einbringen, die sie betreuen.

Referent: Helmut Johnson, Diplom-Psychologe
Termin: 23.-24.02.2023, 1. Tag 10 – 17 Uhr / 2. Tag 9 – 16 Uhr
Kosten: 280€

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