Eingliederung und Betreuung von jungen Menschen mit
„sozial-emotionalem Handicap“ („Jungen Wilden“)


In den letzten Jahren wird verstärkt eine Gruppe von Personen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und in Werkstätten aufgenommen, die keinem der bisherigen Behinderungsbildern entspricht. Sie sind nicht geistig behindert –auch nicht immer lernbehindert, obwohl sie oft große Lerndefizite haben; sie sind auch nicht chronisch psychisch krank, so dass man von einer psychischen Behinderung sprechen könnte, wie sie von Klienten bekannt sind, die einen langen Psychiatrieaufenthalt hatten. Sie sind aber verhaltensgestört und in ihrer Persönlichkeit so unreif, dass sie nicht in der Lage sind, sich eigenständig zu versorgen und im Leben zu orientieren. Besonders auffällig ist, dass sie wenig Ordnung verinnerlicht haben und dass sie nur sehr begrenzt gruppen- und gesellschaftsfähig sind. Ihre Zukunft ist ihnen in der Regel egal. Wir sprechen hier von einem sozial-emotionalen Handicap, einer entwicklungsbedingten Behinderung, die sich langfristig nicht gänzlich kompensieren lässt. Mit herkömmlichen Betreuungsstrategien sind sie meist nicht erreichbar, so dass sie in der Einrichtung viel Unruhe und Stress bringen. Viele kann man deshalb auf Dauer nicht in der Betreuung halten.

In diesem Seminar wollen wir Konzepte und Vorgehensweisen darstellen, wie man diese jungen Leute erfolgreich in eine Betreuungsmaßnahme oder in eine WfbM oder Tagesstätte integrieren kann und wie man zu ihrer persönlichen Entwicklung und Reifung beitragen kann. Dabei werden wir u.a. die folgenden Themen und Fragestellungen bearbeiten:

• Wie entwickelt sich eine Persönlichkeit?
• Wann und wo treten Störungen auf – wie kann man Auffälligkeiten einschätzen?
• Lebensalter ist nicht Entwicklungsalter
• Wie kann man eine Beziehung zu einer entwicklungsgestörten Person entwickeln?
• Anbindung und Grenzsetzung
• Wie viel „Selbstständigkeit“ und „Selbstbestimmung“ ist möglich?
• Zielsetzung – wo liegen die „persönlichen 100%“, welche Störungen kann man mit den Mitteln der Betreuungsmaßnahme ausgleichen und wo liegen die Grenzen?
• Anforderungen an die Betreuungsperson
• Zusammenarbeit zwischen Wohn- und Arbeitsumfeld des Klienten

Das Seminar wendet sich an Einrichtungsleitungen, soziale Dienste, BetreuerInnen in der ambulanten oder stationären Arbeit, GruppenleiterInnen in der WfbM oder Tagesstätte, usw.